KAPITEL 1

 

Rossi seufzte.
Die letzten Wochen waren hart gewesen.
Sie hatten Kinder sterben sehen und Morgan hatte einen Streifschuss erlitten.
Sie hatten wenig geschlafen, sie waren gereizt.
Hatten sich gestritten und wieder vertragen.
Sie hatten alles bewältigt, was es zu bewältigen gab.
Irgendwie war alles fertig.

Jetzt saßen sie zusammen in ihrer Stammkneipe, genossen den Abend.
Rossi hatte sich gerade vollends entspannt, bestellte sich ein Schwarzbier und fing eine Unterhaltung mit Morgan an.
Morgans Arm war mittlerweile wieder vollständig einsatzfähig und trotz allem war eine Narbe als Erinnerungsstück zurück geblieben.

Auf einmal nahm Hotch ihn auf die Seite.
"Ich glaube, wir sollten es ihnen sagen." meinte Hotch.
David brauchte einen Moment, um die Aussage zuzuordnen, doch dann wehrte er ab: "...und damit die angenehme Atmosphäre zerstören? - Warte doch lieber, bis du es ihnen sagst."
"Aber wenn ich es ihnen jetzt nicht sage, wann denn dann?   Während wir an einem Fall arbeiten, oder einfach mal eben so im Büro?
Eine bessere Chance als diese bekommen wir nicht. Und besser jetzt in Ruhe, wo sie darüber nachdenken können, als fünf Minuten vor Toresschluss, wenn klar ist, wer geht."
Uff.
Rossi sah Hotch lange an.
"Also gut, sags ihnen."

Als Hotch die folgeschwere Nachricht, dass das Team verändert werden würde verkündete, brandete sofort eine lautstarke Diskussion auf, an der sich einzig Reid nicht beteiligte.
Als nach einiger Zeit Rossi das Wort ergriff, richteten sich alle Augen auf ihn, den dienstältesten Agenten, der möglicherweise wusste, wie sie sich aus diesem Schlamassel retten konnten.
*Wo hab ich mich da bloß wieder rein geritten?* dachte Rossi bei sich.
"Hey. Schade, dass der schöne Abend ein so schnelles Ende findet, aber ich denke, eines solltet ihr noch wissen. In der Vergangenheit hat Strauss immer mit sich reden lassen, wenn es um eins der Teams ging. Ich habe mir die Freiheit genommen, uns für morgen bei ihr anzukündigen..." , Beifall brandete auf. "...Halt, dass war noch nicht alles, bitte überlegt euch, was das Team so unersetzlich macht. Morgen um halb acht im Konferenzraum sehen wir uns, um neun ist der Termin. Ich wünsche allen noch eine gute Nacht." , endete Rossi, verabschiedete sich und ging.

Als er zuhause ankam, dachte er garnicht mehr über seinen Abend nach, sondern ging schnurstraks ins Bett.
Er wusste sowieso, was er sagen würde.